Schwedische Gospel-Power in der Gethsemanekirche
Der AfroChoir aus Uppsala rockte die Hauptstadt

Das ungeduldige Publikum tobte schon, bevor sie die Bühne stürmten: Die jungen Sänger des AfroChoir aus dem schwedischen Uppsala haben an diesem Abend des 5. Septembers 2010 alle Erwartungen übertroffen und mit ihrem Auftritt das 14. Gospelchortreffen Berlin Brandenburg bereichert. Das Programm, das neben Gospel und Soul auch Reggae mit fetziger Bandbegleitung bot, gab auch optisch viel her: Die Bühne in kräftigen Farben beleuchtet, die Outfits im ersten Konzertteil leger und dann im zweiten Teil elegant, stachen jedoch die unkonventionellen Choreographien am meisten hervor.
Fernab vom üblichen Wiegen im Takt, wie man es von so vielen Gospelchören kennt, rockte der AfroChoir mit unglaublicher Energie los, schmiss die Arme in die Luft und sprang insbesondere bei den Reggaestücken wild über die Bühne.
Angeheizt vom charismatischen Chorleiter Peter Ekengren (Foto), der seine Dreadlocks zu den heißen Beats fliegen ließ und mit einer schönen souligen Stimme einige Soloparts übernahm, drehte der Chor, der zum ersten Mal seit fünf Jahren wieder in Berlin gastierte, zur Höchstform auf. Direkt am Anfang bat der Chorleiter das Publikum in der vollen Gethsemanekirche in Berlin-Prenzlauer Berg darum, aufzustehen und eine Choreographie mitzutanzen. Die "slides" und "steps" bekamen die meisten Zuschauer schon ganz gut hin - aber auch wer kein begnadeter Tänzer ist, sprang auf und tobte mit.
Der Abend steckte voller Überraschungen. Glaubte man, jetzt eine Ballade mit ruhiger Saxophon-Begleitung zu hören, schwenkten die "Afros" und ihre Band ganz plötzlich zu schnellen, rockigen Tönen über und Peter Ekengren bewies, dass er sich auch im Sprechgesang heimisch fühlt. Ein weiterer Clou war ein Reggaesong, der sich unerwartet in "dem gone" von Gentleman verwandelte, was das Publikum mit Begeisterungsausrufen honorierte. Auch Latinsounds waren im Programm vertreten: "let go, let god, let god have his way", sonst eher als ruhige Gospelballade bekannt, hatte bestimmt noch niemand im Latin-Gewand gehört und begleitet von Salsamoves gesehen, genauso wie ein Stück, das wie ein argentinischer Tango daherkam.
Spätestens aber bei den Modulationen von "higher in the lord" war die gesamte Kirche auf den Beinen und nicht mehr zu bremsen. Es war ein gelungener Abend voller unerwarteter Momente, mit harmonischen Gesängen zu mitreißender Musik, mit einem jungen Chor, der so einiges auf dem Kasten hat und die Fans in Berlin hoffentlich ganz bald wieder beehren wird.
Mehr Infos zum AfroChoir unter: www.myspace.com/afrochoir
Patrizia Klee, Fotos: Hellen S. Wobst 2010-09-10













