Der Sound von New Orleans
Aaron Neville hat ein wunderbares neues Gospelalbum aufgenommen
Aaron Neville, der sowohl als Solokünstler als auch als Teil der berühmten "Neville Brothers" aus New Orleans große Erfolge verzeichnen konnte, feiert das 50. Jahr seiner Musikerkarriere mit einem Album, das den drei Dingen gewidmet ist, die ihn sein Leben lang begleitet und geprägt haben: seiner Heimatstadt, der Musik und dem Glauben. Der Mann mit der unverwechselbaren Stimme hat mit "I Know I've Been Changed" ein wundervolles Gospel-Album aufgenommen, das beweist, dass weniger mehr ist – wenn es gut ist. Und das ist es.
Ich hatte erst ein bisschen Sorge, ob ich mir Aaron Nevilles Stimme mit dem extremen Tremolo ein ganzes Album lang anhören kann, aber ich stellte fest – das geht sehr gut! Denn das Tremolo ist nicht das einzig Unverkennbare an seiner Stimme. Weich in allen Tonlagen, schmeichelt sie sich in den Gehörgang, in Szene gesetzt von sparsamer Instrumentierung – ich höre nur Piano, Gitarre, Bass, Schlagzeug und ab und zu eine Orgel, sonst nichts.
Wo Nevilles Stimme vielleicht etwas zu weich für den Song ist, wie bei "Don't Let Him Ride", geben die Backgroundsängerinnen und -sänger ihren Pfeffer dazu. Der Sound der zwölf traditionellen Gospelsongs ist eindeutig der seiner Heimatstadt New Orleans – swingend, groovend, rollend. Daran hat auch Allen Toussaints einen großen Anteil, der schon mit Aaron Neville zur Schule ging und seine erste Aufnahmesession im Jahr 1960 produzierte. Auf dem aktuellen Album hat er alle Piano-Parts übernommen.
Eingespielt wurden die Songs unter der Federführung von Joe Henry in nur fünf Tagen, "wie früher" - die Musiker spielten direkt im Studio zu Nevilles Gesang, was der Aufnahme das Gefühl einer Live-Session gibt. Dass es sich hier ausschließlich um Topleute handelt, steht außer Frage – kein Ton zuviel, aber jeder Einzelne davon, jedes Fill sitzt perfekt. Und das Beste – man hört, wie viel Spaß alle Beteiligten an der Arbeit hatten, und der Spaß überträgt sich somit auf den Hörer.
Aaron Neville hat Songs ausgesucht, die ihm am Herzen liegen, und die vor allem Hoffnung ausdrücken. Nach dem Hurrikan Katrina, der große Teile von New Orleans und auch Nevilles eigenes Haus zerstört hat, lebt New Orleans weiter mit den Folgen. Aber auch eine unverwüstliche Hoffnung gehört zu dieser Stadt, und sie ist in dieser Musik vom ersten Track, "Stand by me", über den Country-Gospel "I am a pilgrim" bis hin zu "I'm so glad (trouble don't last)" und "There's a God somewhere" deutlich zu hören.
"I know I've Been Changed" ist ein absolut erstklassiges Gospel-Album im Geiste von New Orleans zum Anhören, Mitschwingen und Mitsingen.
Ines Klinger
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gug 2011-06-18













